Das Tao des Dienens: Wie du dich dabei erfüllt fühlst statt auszubrennen

Vielleicht kennst du das, dass du viel für andere da bist, in der Familie, im Beruf oder im Ehrenamt, und eigentlich müsste sich das gut anfühlen. Menschen sind glücklich, wenn sie zur Lösung ihrer eigenen Probleme und der Probleme anderer beitragen können. Und doch fühlst du dich am Ende mancher Wochen eher leer als erfüllt.

Der Unterschied liegt selten darin, wie viel du gibst, sondern darin, ob dein Geben und Empfangen im Gleichgewicht ist. Genau davon handelt das Tao des Dienens. Diesen Begriff habe ich das erste Mal bei David Joshua Stone gehört.

Dienen im Gleichgewicht von Yin und Yang

Im Taoismus bedeutet das Tao das Gleichgewicht von Yin und Yang. Auf das Helfen übertragen heißt das: Wenn dein Dienen in Balance ist, ist es erfüllend, freudig und ein Ausdruck der Liebe, die du bist. Gerät es aus der Balance, schwindet die Freude am Helfen, und genau dann fühlt sich Geben wie Auslaugen an.

Dienen als spirituelle Praxis

Dienen ist eine spirituelle Praxis, die in allen Weltreligionen und auf den meisten spirituellen Wegen betont wird. Das Leben von Jesus Christus ist ein vollkommenes Beispiel dafür. Im Yoga gibt es dafür sogar einen eigenen Zweig, Seva Yoga, den Yoga des selbstlosen Dienens.

Mein spiritueller Lehrer Sathya Sai Baba rückt dabei etwas Wichtiges zurecht: Es geht beim Dienen gar nicht zuerst darum, die Welt zu verändern.

„Glaube nicht, dass du durch Dienen die Welt reformieren oder umformen kannst. Vielleicht gelingt es, vielleicht nicht, das ist nicht entscheidend. Der wahre Wert des Dienens, sein sichtbarstes Ergebnis, ist, dass es dich reformiert und umformt.“ (Sathya Sai Baba)

Dienen verwandelt also zuerst den, der dient. Das nimmt viel Druck aus dem Helfen, denn du musst nicht die Welt retten, um sinnvoll zu wirken.

Hingabe und Effizienz gehören zusammen

Der Lehrer Swami Nityananda sagte: „Geh zurück und tue deine Pflicht ohne Verlangen nach der Frucht und ohne die Effizienz zu opfern. Das ist der höchste Dienst, den du leisten kannst.“ In diesem Satz stecken beide Pole des Tao: Das Yin ist die Hingabe, also das Loslassen des Ego-Willens und das Vertrauen, dass etwas Größeres durch dich wirkt. Marianne Williamson schreibt in „Rückkehr zur Liebe“, dass wir uns bei der Hingabe an Gott einem Universum anvertrauen, das weiß, was es tut. Das Yang ist die Effizienz, also die Dinge konzentriert und gut zu Ende zu bringen.

Beides zusammen ist die Kunst: hingegeben und wirksam zugleich.

Die Geigenspielerin am Zürichsee

Eine kleine Beobachtung dazu aus meinem Alltag. Bei einem Spaziergang am Zürichsee kam ich an vielen Straßenmusikern vorbei, die für die Vorbeigehenden spielten und natürlich auch Geld dafür bekamen. Eine Geigerin spielte wirklich gut, aber niemand hörte ihr zu. Auf ihrer Geldbox stand: „Für meine erste Coco-Chanel-Handtasche.“ Vielleicht hat genau dieser Zettel die Menschen abgestoßen. Andere Musiker hatten einfach eine Box ohne Schild, und bei Weihnachtskonzerten spenden Menschen große Summen für Hilfsorganisationen.

Menschen lieben es, für eine gute Sache zu geben. Das Universum, so scheint es, unterstützt die Projekte am kräftigsten, die wirklich das Beste für alle Beteiligten wollen.

Das Tao von Geben und Empfangen

Und noch ein Gleichgewicht gehört zum Dienen: das zwischen Geben und Empfangen. Geben ist die männliche Energie, Empfangen die weibliche. Wenn du immer nur gibst, lebst du nicht im Tao. Auch das Empfangen gehört zum Dienen, sonst hätte der Gebende niemanden, dem er dienen kann. Oft ist der Gebende dem Empfangenden sogar dankbar, weil er durch ihn dienen durfte.

Dabei muss die Balance nicht mit denselben Menschen entstehen. Du darfst von anderen empfangen, als du gibst, und auf ganz anderen Ebenen. Wenn Geben und Empfangen sich die Waage halten, wirst du vom Dienen genährt statt erschöpft. Mehr über dieses Gleichgewicht der weiblichen und männlichen Energie liest du in meinem Artikel Embracing the Feminine.

Wichtig ist auch: Das Tao des Dienens bleibt nur gewahrt, wenn Geber und Empfänger einverstanden sind. Du hilfst also nur, wenn der andere das auch möchte.

Erst emotional stabil, dann ins Handeln

Zum Schluss noch ein Grundsatz, der vieles zusammenfasst: Es ist ratsam, zuerst emotional stabil zu sein, bevor du ins Handeln gehst. Wer sich mit dem Helfen von den eigenen Problemen ablenkt, dient auf Dauer niemandem, auch sich selbst nicht. Wenn du dagegen in einem klaren Zustand bist, hörst du deine innere Stimme, bevor du handelst, und dein Einsatz kommt dort an, wo er gebraucht wird. Wie du diese innere Klarheit stärkst, beschreibe ich in meinem Artikel über die Verbindung mit deinem Höheren Selbst.

Oder, wie Sai Baba sagte: „Du kannst nicht immer gefällig sein, aber du kannst immer gefällig sprechen.“ (Sathya Sai Baba, Sathya Sai Speaks, Band 32)

Wenn dein Geben aus der Balance geraten ist

Vielleicht hast du beim Lesen gespürt, dass du gerade mehr gibst, als du empfängst, und dass dahinter ein altes Muster liegen könnte, zum Beispiel die früh gelernte Überzeugung, dass du nur durch Helfen wertvoll bist. Genau solche Muster schauen wir uns in meinen Sitzungen an. Wenn du magst, lass uns sprechen.

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Über Sandra Gross

Dr. Sandra Veronika Gross ist Healing Practitioner für physische, emotionale und spirituelle Heilung, Resonance Repatterning Practitioner und Expertin für ganzheitliche Heilmethoden seit 2007. Sie unterstützt Menschen dabei, ihre innere Stärke zu entfalten, emotionalen Frieden zu erlangen und eine tiefgreifende Transformation zu erleben.

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