Vielleicht kennst du das: Du sagst „alles gut“, obwohl es nicht stimmt. Du redest dir eine Situation schön, die dir längst nicht mehr guttut. Oder du erzählst eine kleine Unwahrheit, und plötzlich brauchst du zwei weitere, um sie zu stützen. Jede dieser kleinen Unaufrichtigkeiten, nach außen wie nach innen, erzeugt Druck, und aus vielen kleinen Drücken wird das, was wir Stress nennen.
Genau dafür kennt der Yoga ein wunderschönes Prinzip: Satya.
Was Satya bedeutet
Satya ist eines der Kernprinzipien des Yoga. Es bedeutet Wahrheit und lässt sich auch mit Essenz übersetzen. Gemeint ist, wahrhaftig zu sein in Gedanke, Wort und Tat. Die yogische Philosophie sagt: Wenn du nur eine einzige Tugend in deinem Leben leben wolltest, dann führt dich diese eine zu allen anderen.
Wir brauchen die Wahrhaftigkeit, weil Unwahrhaftigkeit viele voneinander abhängige Wellen im Geist erzeugt. Eine Lüge zieht weitere Lügen und beunruhigende Gefühle nach sich, sie erzeugt mentalen und emotionalen Druck. Und auch die Unehrlichkeit mit dir selbst wirkt so: Alle verdrängten Gefühle, Gedanken und Überzeugungen lassen dich dich selbst in einem Zustand von dis-ease erleben, im Fehlen von Leichtigkeit.
Ehrlich mit dir selbst: die liebevolle Innenschau
Viele Traditionen kennen eigene Zeiten der Innenschau, und im Yoga ist das Nach-innen-Gehen Teil vieler Praktiken. Dabei geht es nicht nur um den Körper, sondern auch um das emotionale Aufräumen: dir selbst und anderen vergeben, falsche Wahrnehmungen und negative Glaubenssätze wandeln, ehrlich auf die eigenen Fehler schauen und aus ihnen lernen.
Karol K. Truman beschreibt in ihrem Buch „Feelings Buried Alive Never Die“, dass das, was für den einen ein Stressfaktor ist, für die andere keiner sein muss. Was jemand als stressig erlebt, hängt stark von frühen Prägungen ab, die zu seinen Gefühlen und Überzeugungen beigetragen haben. Ihr Rat: Wenn du einen bestimmten Stress überwinden willst, beobachte, was dabei in dir geschieht, erkenne, was du jedes Mal fühlst, und verändere dieses Gefühl.
Wichtig dabei: Du sollst negative Gefühle und Gedanken nicht verleugnen, das würde den inneren Konflikt nur verstärken. Stattdessen beleuchtest du deinen inneren Konflikt liebevoll (meist sind dort Denken und Fühlen nicht im Einklang), holst ihn hervor, benennst ihn und lässt ihn los. Schau auf das, was da ist, mit vollkommener Vergebung und bedingungsloser Liebe für dich selbst und andere, so wie jemand, der dich liebt, sanft an die Tür deines Herzens klopft und dich ansieht, ganz gleich, welche Fehler du gemacht hast.
Deine Wahrheit spüren: der Körper-Check
Wie erkennst du nun, was deine Wahrheit ist? Dein Körper zeigt es dir. Du kannst leicht spüren, ob etwas in deinem Bewusstsein mit deiner inneren Wahrheit übereinstimmt oder nicht: Fühlt es sich im Bauch gut an, ist es wahr für dich. Zieht sich dein Körper bei einem Gedanken oder einer Information zusammen, kann es nicht deine höchste Wahrheit sein. Beim Erleben von Wahrheit kannst du frei atmen, beim Denken einer Unwahrheit fühlt sich ein bewusster Atemzug eingeengt an. Dieses Prinzip hat mir vor Jahren meine Ayurveda-Ärztin beigebracht, und viele andere Lehrer lehren es ebenso.
Dazu gehört die Einsicht, dass jeder Mensch seine eigene individuelle Essenz und seine eigene Wahrheit hat. Das Einheitsbewusstsein ist wie ein Garten: Der Garten ist ein Ganzes, aber jede Blume, jede Pflanze und jeder Baum trägt mit der eigenen Essenz zum Ganzen bei. Mit diesem Verständnis kannst du annehmen, dass jeder seine eigene Wahrheit hat, und weißt zugleich, dass die Unterschiede im Ganzen das Ganze bereichern.
Wahrhaftigkeit in einer lauten Welt
Gerade heute, beim Abwägen all der Meinungen, Nachrichten und Informationen, ist die Frage wichtig: Was ist deine Wahrheit? Fühlt sie sich im Bauch richtig an, schwingt sie in deinem Herzen? Trägt sie zum Frieden bei, stärkt sie Mitgefühl?
Mein Mentor Malcolm S. Southwood schreibt in seinem Buch „Toth & The Keys to Atlantis“ (das ich sehr empfehle): „Folge deinem Herzen durch jedes Leben. Gegen das zu handeln, was du als richtig und wahr erkennst, verletzt deine Seele. Geh niemals gegen deine eigene Integrität. Die einzige Wahrheit, die es wert ist, gekannt zu werden, ist die über dich selbst, und die einzige Wahrheit, die du ändern kannst, ist deine eigene.“
Nach diesen Lehren musst du andere nicht von deiner Wahrheit überzeugen. Wer in Negativität gefangen ist, kann sie ohnehin kaum hören. Sei einfach deine Wahrheit, bleib auf Abstand zu Klatsch und dem, was du als unwahr erkennst, und nutze deine positive Vorstellungskraft, um etwas Neues zu erschaffen: eine Welt, die liebevoll und friedlich ist. Wie Wahrhaftigkeit auch dein Sprechen verändert, liest du in meinem Artikel über klare und liebevolle Kommunikation.
Wenn die Ehrlichkeit mit dir selbst schwerfällt
Vielleicht merkst du beim Lesen, dass du bestimmte Gefühle oder Wahrheiten lieber nicht anschaust. Das ist keine Schwäche, sondern meist ein Zeichen, dass eine alte Prägung das ehrliche Hinschauen zu gefährlich erscheinen lässt. Genau daran arbeite ich in meinen Sitzungen, damit die Innenschau sicher und liebevoll werden kann.
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